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Gedenkstättenfahrt nach Auschwitz PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: R. Frey / C. Kröger   
Donnerstag, den 30. März 2017 um 08:35 Uhr

Angehende Erzieher_innen der Unter- und Mittelstufen auf Gedenkstättenfahrt in Auschwitz vom 4. bis 10. Dezember 2016

Wenn das Berliner Holocaust-Denkmal von einem AfD-Politiker Mitte Januar 2017 als „Denkmal der Schande“ bezeichnet wird, so war dies zwar nicht der zeitgenössische Auslöser unserer Studienfahrt, aber aus der Retrospektive ein weiteres Indiz für die fortwährende Wichtigkeit, dass sich Schüler_innen mit den Verbrechen des nationalsozialistischen (NS) Regimes auseinander setzen und präventiv rechtsradikalen Gefahren entgegen treten. Dies ist insbesondere vor der anstehenden Landtagswahl in Schleswig-Holstein als auch der Bundestagswahl ein weiteres wichtiges Anliegen.
Unsere Schule steht für eine intensive, historisch-kritische Analyse des Nationalsozialismus, was u. a. regelmäßige Studienfahrten in das ehemalige Konzentrationslager (KZ) Neuengamme verdeutlichen.
Auf dieser Grundlage planten Herr Kröger und Herr Frey, Lehrkräfte für Wirtschaft und Politik an der Dorothea-Schlözer-Schule, die Gedenkstättenfahrt nach Auschwitz vom 4. bis 10. Dezember 2016, an der 34 Schüler_innen auf freiwilliger Basis teilnahmen. Die regulären Unterrichtsinhalte der Woche mussten somit selbständig aufgearbeitet und Eigenkosten für die Finanzierung der Fahrt geleistet werden.
Es sei zwar an dieser Stelle erwähnt, dass sich die 1996 gegründete Bethe-Stiftung insbesondere der Förderung von Schülerfahrten verschrieben hat, die sich mit der Erinnerung an den Holocaust beschäftigen, welche auch unserem Projekt eine finanzielle Unterstützung zugesagt hat. Diese, so müssen wir bis dato jedoch feststellen, befindet sich weiterhin in der Überprüfung durch das Internationale Begegnungswerk e. V. (IBB), was bei uns zusehends den Eindruck erweckt, dass sich das Verfahren der Projektförderung nicht an der von uns vielfältig eingereichten Dokumentation über die Auseinandersetzung mit dem Holocaust, sondern an dem „Kostendeckungsprinzip“ der Studienfahrt orientiert. Auschwitz ist, als das größte Arbeits- und vor allem NS-Massenvernichtungslager, ein Ort der Mahnung und Erinnerung. Wie wir leider konstatieren mussten, ist es gegenwärtig kein Ort des Nachdenkens mehr, sondern zu einer Besichtigungsstätte deklassiert worden.
Am Montagmorgen kamen wir im Stammlager KL Auschwitz 1 an. Wir waren alle überrascht, eine so große Besucherzahl zu erleben. Es waren an diesem Tag sowie an den folgenden vier Tagen Tausende von Besuchern aus Europa, U.S.A., Japan und Afrika vor Ort. Für die Führung durch das Stammlager und, am nächsten Tag, durch das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau bekamen wir zwei Museumspädagoginnen zur Seite gestellt, die uns über ein Audiogerät inklusive Kopfhörern viele Sachinformationen lieferten. So erfuhren wir unter anderem, dass bis Ende August/ Anfang September diesen Jahres über eine Million Besucher das Stammlager 1 sowie das Vernichtungslager besichtigt haben. So wurden wir ebenfalls innerhalb von zweieinhalb Stunden durch das Stammlager, im Schnellgang und ohne große Erklärungen oder Rückfragen, abgefertigt. Die Zeit der Besinnung, des Nachdenkens und des Nachfragens war somit nicht möglich. Eine Schülerin stellte zum Beispiel einer der beiden Museumspädagoginnen eine Frage zur brutalen Vorgehensweise der SS-Lagerführung (Anmerkung: Wir haben uns im Vorfeld mit den Schüler_innen u. a. mit dem langjährigen Lagerkommandanten Rudolph Höß auseinander gesetzt), die mit der Antwort „Sie haben vollkommen Recht“ im Prinzip ignoriert worden ist. Und weiter mussten wir die Erfahrung machen, dass wir als Gruppe, nach den sehr berührenden Multimediapräsentationen über Einzelschicksale, keine Gelegenheit mehr erhielten, unsere Gedanken und Fragen dazu auszutauschen, sondern mit dem Hinweis des Raumes verwiesen wurden, dass die nächste Besuchsgruppe warten würde. Eine solche „Touristische Abfertigung“ wird der Bedeutsamkeit einer solchen Gedenkstätte nicht mehr gerecht. Daraufhin versuchten Herr Frey und Herr Kröger die Fragen der Schüler_innen entsprechend eigenverantwortlich zu klären.
Am nächsten Tag besuchten wir Auschwitz Birkenau. Das Konzentrationslager 2 ist mit dem bewussten ideologischen Ziel der massenhaften Tötung erbaut worden. Um zehn Uhr standen wir als Klasse vor dem Eingangstor, nachdem wir uns zuvor auf den Fußweg von der sogenannten „Alten bzw. Judenrampe“ bis zum KL gemacht hatten. Es war diesig und verschneit, der Tag will nicht so recht beginnen. Wir gingen, getrennt in zwei Teilgruppen, durch einen Seiteneingang in das Lager. Anders als das Stammlager, wirkt Auschwitz Birkenau nicht wie ein Museum. Das Lager spricht für sich, die Größe macht es aus, bei diesem Dunst erkennt man vor seinen eigenen Augen „nur Lager“, sonst Nichts. In den niedrigen Backsteinbauten finden wir Holzverschläge, in denen u. a. Kinder von zwei bis zwölf Jahren vor sich hin vegetieren mussten, die Josef Mengele für seine pseudowissenschaftlichen Versuche qualvoll missbrauchte und anschließend selbst tötete oder töten ließ. Instinktiv unterhielten wir uns leise, und die Trauer sowie das Leid erreichten uns immer mehr. Anschließend gingen wir dahin, wo früher die Gaskammern und Krematorien standen. Schweigend schritten wir weiter, manchmal sprachen wir vereinzelt über das Vergangene. Auch hier ist viel zu wenig Zeit, um Fragen zu stellen oder nachzudenken, sich zu besinnen bzw. inne zu halten.
Nach mittlerweile vielen, vielen Tagen zurück aus Auschwitz, verspüren wir Schüler_innen und Lehrkräfte eine unbeschreibliche Leere in uns. Was wir gesehen und gehört haben, drückt in uns Tränen, Gefühlsschwankungen und Wut aus, bisweilen sogar Hass gegenüber den Tätern. Sicherlich sind dies keine Voraussetzungen dafür, um emotionslos bzw. sachlich etwas zu Papier zu bringen. Und dennoch haben wir dies mit der Dokumentation versucht. Eine freundliche und sehr professionelle Unterstützung haben wir u. a. durch die teilnehmenden Schülerinnen Alina Lanken und Maren Johannsen erfahren, die unsere Gedenkstättenfahrt mit folgendem, auf Youtube abrufbaren, Videotagebuch festgehalten haben.

Durch die Studienfahrt haben sich unsere Schülerinnen und Schüler zu wichtigen Multiplikatoren entwickelt, die Verwandte, Freunde und Bekannte darüber informieren, was:

1. Es bedeutet, einem inhumanen System wie der Hitlerdiktatur anzugehören,

2. Es heißt, dass Menschen fabrikmäßig vergast worden sind und

3. In der Gegenwart politische Extreme mit der Verharmlosung derartiger Greueltaten zu erreichen versuchen.

Wir hoffen inständig, dass Auschwitz wieder zu einem Ort des Nachdenkens wird. Ein Ort der Besichtigung darf es nicht bleiben. Hier muss es möglich sein, zu trauern, zu weinen, sich mit dem Unvorstellbaren auseinander zu setzen. Nur so ist denkbar, sich mit einem Zeitabschnitt zu konfrontieren, der so viel Leid, Elend und Tod hervorrief und sich niemals wiederholen darf.

(Zum Videostart bitte auf das Bild klicken))

Text: R. Frey / C. Kröger
Video: A. Lanken / M. Johannsen

Wenn das Berliner Holocaust-Denkmal von einem AfD-Politiker Mitte Januar 2017 als „Denkmal der Schande“ bezeichnet wird, so war dies zwar nicht der zeitgenössische Auslöser unserer Studienfahrt, aber aus der Retrospektive ein weiteres Indiz für die fortwährende Wichtigkeit, dass sich Schüler_innen mit den Verbrechen des nationalsozialistischen (NS) Regimes auseinander setzen und präventiv rechtsradikalen Gefahren entgegen treten. Dies ist insbesondere vor der anstehenden Landtagswahl in Schleswig-Holstein als auch der Bundestagswahl ein weiteres wichtiges Anliegen. Unsere Schule steht für eine intensive, historisch-kritische Analyse des Nationalsozialismus, was u. a. regelmäßige Studienfahrten in das ehemalige Konzentrationslager (KZ) Neuengamme verdeutlichen. Auf dieser Grundlage planten Herr Kröger und Herr Frey, Lehrkräfte für Wirtschaft und Politik an der Dorothea-Schlözer-Schule, die Gedenkstättenfahrt nach Auschwitz vom 4. bis 10. Dezember 2016, an der 34 Schüler_innen auf freiwilliger Basis teilnahmen. Die regulären Unterrichtsinhalte der Woche mussten somit selbständig aufgearbeitet und Eigenkosten für die Finanzierung der Fahrt geleistet werden. Es sei zwar an dieser Stelle erwähnt, dass sich die 1996 gegründete Bethe-Stiftung insbesondere der Förderung von Schülerfahrten verschrieben hat, die sich mit der Erinnerung an den Holocaust beschäftigen, welche auch unserem Projekt eine finanzielle Unterstützung zugesagt hat. Diese, so müssen wir bis dato jedoch feststellen, befindet sich weiterhin in der Überprüfung durch das Internationale Begegnungswerk e. V. (IBB), was bei uns zusehends den Eindruck erweckt, dass sich das Verfahren der Projektförderung nicht an der von uns vielfältig eingereichten Dokumentation über die Auseinandersetzung mit dem Holocaust, sondern an dem „Kostendeckungsprinzip“ der Studienfahrt orientiert. Auschwitz ist, als das größte Arbeits- und vor allem NS-Massenvernichtungslager, ein Ort der Mahnung und Erinnerung. Wie wir leider konstatieren mussten, ist es gegenwärtig kein Ort des Nachdenkens mehr, sondern zu einer Besichtigungsstätte deklassiert worden. Am Montagmorgen kamen wir im Stammlager KL Auschwitz 1 an. Wir waren alle überrascht, eine so große Besucherzahl zu erleben. Es waren an diesem Tag sowie an den folgenden vier Tagen Tausende von Besuchern aus Europa, U.S.A., Japan und Afrika vor Ort. Für die Führung durch das Stammlager und, am nächsten Tag, durch das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau bekamen wir zwei Museumspädagoginnen zur Seite gestellt, die uns über ein Audiogerät inklusive Kopfhörern viele Sachinformationen lieferten. So erfuhren wir unter anderem, dass bis Ende August/ Anfang September diesen Jahres über eine Million Besucher das Stammlager 1 sowie das Vernichtungslager besichtigt haben. So wurden wir ebenfalls innerhalb von zweieinhalb Stunden durch das Stammlager, im Schnellgang und ohne große Erklärungen oder Rückfragen, abgefertigt. Die Zeit der Besinnung, des Nachdenkens und des Nachfragens war somit nicht möglich. Eine Schülerin stellte zum Beispiel einer der beiden Museumspädagoginnen eine Frage zur brutalen Vorgehensweise der SS-Lagerführung (Anmerkung: Wir haben uns im Vorfeld mit den Schüler_innen u. a. mit dem langjährigen Lagerkommandanten Rudolph Höß auseinander gesetzt), die mit der Antwort „Sie haben vollkommen Recht“ im Prinzip ignoriert worden ist. Und weiter mussten wir die Erfahrung machen, dass wir als Gruppe, nach den sehr berührenden Multimediapräsentationen über Einzelschicksale, keine Gelegenheit mehr erhielten, unsere Gedanken und Fragen dazu auszutauschen, sondern mit dem Hinweis des Raumes verwiesen wurden, dass die nächste Besuchsgruppe warten würde. Eine solche „Touristische Abfertigung“ wird der Bedeutsamkeit einer solchen Gedenkstätte nicht mehr gerecht. Daraufhin versuchten Herr Frey und Herr Kröger die Fragen der Schüler_innen entsprechend eigenverantwortlich zu klären. Am nächsten Tag besuchten wir Auschwitz Birkenau. Das Konzentrationslager 2 ist mit dem bewussten ideologischen Ziel der massenhaften Tötung erbaut worden. Um zehn Uhr standen wir als Klasse vor dem Eingangstor, nachdem wir uns zuvor auf den Fußweg von der sogenannten „Alten bzw. Judenrampe“ bis zum KL gemacht hatten. Es war diesig und verschneit, der Tag will nicht so recht beginnen. Wir gingen, getrennt in zwei Teilgruppen, durch einen Seiteneingang in das Lager. Anders als das Stammlager, wirkt Auschwitz Birkenau nicht wie ein Museum. Das Lager spricht für sich, die Größe macht es aus, bei diesem Dunst erkennt man vor seinen eigenen Augen „nur Lager“, sonst Nichts. In den niedrigen Backsteinbauten finden wir Holzverschläge, in denen u. a. Kinder von zwei bis zwölf Jahren vor sich hin vegetieren mussten, die Josef Mengele für seine pseudowissenschaftlichen Versuche qualvoll missbrauchte und anschließend selbst tötete oder töten ließ. Instinktiv unterhielten wir uns leise, und die Trauer sowie das Leid erreichten uns immer mehr. Anschließend gingen wir dahin, wo früher die Gaskammern und Krematorien standen. Schweigend schritten wir weiter, manchmal sprachen wir vereinzelt über das Vergangene. Auch hier ist viel zu wenig Zeit, um Fragen zu stellen oder nachzudenken, sich zu besinnen bzw. inne zu halten. Nach mittlerweile vielen, vielen Tagen zurück aus Auschwitz, verspüren wir Schüler_innen und Lehrkräfte eine unbeschreibliche Leere in uns. Was wir gesehen und gehört haben, drückt in uns Tränen, Gefühlsschwankungen und Wut aus, bisweilen sogar Hass gegenüber den Tätern. Sicherlich sind dies keine Voraussetzungen dafür, um emotionslos bzw. sachlich etwas zu Papier zu bringen. Und dennoch haben wir dies mit der Dokumentation versucht. Eine freundliche und sehr professionelle Unterstützung haben wir u. a. durch die teilnehmenden Schülerinnen Alina Lanken und Maren Johannsen erfahren, die unsere Gedenkstättenfahrt mit folgendem, auf Youtube abrufbaren, Videotagebuch festgehalten haben:

https://www.youtube.com/watch?v=pjEWVLTOZRc&feature=youtu.be

Durch die Studienfahrt haben sich unsere Schülerinnen und Schüler zu wichtigen Multiplikatoren entwickelt, die Verwandte, Freunde und Bekannte darüber informieren, was:

  1. Es bedeutet, einem inhumanen System wie der Hitlerdiktatur anzugehören,

  2. Es heißt, dass Menschen fabrikmäßig vergast worden sind und

  3. In der Gegenwart politische Extreme mit der Verharmlosung derartiger Greueltaten zu erreichen versuchen.

Wir hoffen inständig, dass Auschwitz wieder zu einem Ort des Nachdenkens wird. Ein Ort der Besichtigung darf es nicht bleiben. Hier muss es möglich sein, zu trauern, zu weinen, sich mit dem Unvorstellbaren auseinander zu setzen. Nur so ist denkbar, sich mit einem Zeitabschnitt zu konfrontieren, der so viel Leid, Elend und Tod hervorrief und sich niemals wiederholen darf.

 


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